In diesem Monat sind gleich zwei Studienergebnisse erschienen, die dieser Frage nachgehen und unterschiedlicher nicht sein könnten.

Studien hat es in der Buchbranche schon viele gegeben. Verlage haben sich durch Umfragen Wissen darüber aneignen können, welche Lesertypen sie mit welchen Genres gut ansprechen können. Durch die Digitalisierung stehen der Buchbranche – oder zumindest den Herstellern gewisser Lese-Apps und/oder Hardware – heutzutage weitaus mehr Informationen über den Leser zur Verfügung. Doch eine wichtige Frage ist bislang noch nie richtig beleuchtet worden: Wie werden Leser heute auf Bücher aufmerksam? Und hat sich hierbei in den letzten Jahren etwas verändert?

buchreport / Codex

Für die Untersuchung „Vom Suchen und Finden der Bücher. So funktioniert Discovery digital und analog“ hat buchreport zusammen mit Codex eine repräsentative Befragung von 2506 deutschen Buchkäufern durchgeführt.

Die Befragten waren über 18 Jahre alt und hatten im vergangenen Monat mindestens ein Buch gekauft. Die Erhebung fand im Februar statt und buchreport und Codex weisen darauf hin, dass es dabei auch um die Qualität der Buchentdeckungen geht.

46% der Befragten gaben an, Bücher sowohl digital als auch gedruckt zu lesen und damit Hybridleser zu sein. Ein Drittel der bisherigen reinen Printleser stehen dem eBook aber offen gegenüber und möchten es zumindest einmal ausprobieren.

Wo entdecken Leser neue Bücher?

  • Stöbern im Geschäft 19%
  • Stöbern im Online-Shop 15%
  • Publicity/Medien 14%
  • Empfehlungen 12%
  • Digitales Marketing 9%
  • Autoren-Marketing 8%
  • Werbung 6%
  • Profis, Lesekreise, Clubs 6%
  • E-Mail / Newsletter 3%
  • E-Book-Rabattaktionen / Promotions 2%
  • E-Book-Abo-Service 1%
  • Andere 5%

Anmerkung: Balken unter 5% werden aufgrund der Beschriftung (Prozentangabe) auf manchen Geräten nicht korrekt angezeigt.

Während 78% aller Befragten im Besitz eines Smartphones sind, lesen nur 14% damit auch Bücher. Greift man sich hier die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen heraus, steigt der Lese-Anteil sogar auf 30% an. Entdeckt werden die meisten Bücher aber immer noch beim Stöbern im Geschäft. Und auch die persönlichen Empfehlungen von Freunden und Bekannten spielen dabei eine wichtige Rolle.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt bei der Buchentdeckung sind laut buchreport die Lesetipps der Lieblingsautoren. Diese werden am Ende mit besseren Bewertungen der Bücher honoriert als persönlich von Freunden oder Bekannten empfohlene Bücher.

Die vollständigen Ergebnisse können beim buchreport für 1790 EUR (zzgl. MwSt.) für die Nutzung im eigenen Unternehmen erworben werden.

Penguin Random House

Auch Penguin Random House hat im April 2016 die Ergebnisse einer eigenen Studie mittels einer schicken Infografik veröffentlicht. Das eigene Consumer Insights Team hat dazu mehr als 40 Tausend Leser nach ihren Gewohnheiten und dem Vorgehen bei der Suche nach neuen Büchern befragt.

Hier hat sich herauskristallisiert, dass die Meinungen von Freunden, der Familie und von Bekannten den größten Anteil daran haben neue Bücher zu entdecken.

Ganze 81% werten die Empfehlungen aus dem engen, persönlichen Umfeld als besonders wertvoll.

Wie entdecken Leser neue Bücher?

  • Goodreads 69%
  • Rezensionen in Zeitungen und Magazinen 49%
  • Facebook 46%
  • Autoreninterviews / -auftritte 38%
  • Rezensionen in Blogs 37%
  • Anzeigen (Print) 23%
  • Twitter 15%
  • Andere Soziale Netzwerke 14%

Auch der Vergleich der herkömmlichen und der sozialen Medien hat einen eindeutigen Sieger.

69% der Leser gaben an, neue Bücher für sich selbst auf Goodreads zu entdecken. Zeitungen und Magazine folgen mit fast 20% weniger Anteil und erst dann kommt Facebook mit 46%. Diese Verteilung scheint aber auch vom Alter abhängig zu sein.

Entdeckungs-Trends nach Altersgruppen

Blogs und Social Media werden mit zunehmendem Alter weniger relevant…

… während Rezensionen und Anzeigen in Zeitungen und Magazinen an Relevanz gewinnen.

Während im zunehmenden Alter die sozialen Medien und Blogs weniger relevant werden, legen gedruckte Rezensionen und Anzeigen im Alter immer mehr zu.

Und es gibt auch Unterschiede zwischen Leserinnen und Lesern. Während Leserinnen sich stärker von Empfehlungen von Freunden/Familie und Goodreads beeinflussen lassen, ziehen die Leser eher Rezensionen in Zeitungen und Magazinen sowie Printanzeigen vor.

Das Consumer Insights Team ist zudem auch der Fragen nachgegangen, welche Aspekte den Buchkauf positiv beeinflussen und welche Aspekte ihn so gut wie gar nicht beeinflussen, wenn man den Autor, die Serie oder die Figuren nicht kennt.

Starke und schwache Einflüsse

  • Ansprechendes Thema 88%
  • Positive Rezension 87%
  • Empfehlung durch Freund(e) 86%
  • Lesen eines Textauszugs vorab 76%
  • Online-Rezension 76%
  • Empfehlung durch Verkäufer 38%
  • Reputation des Verlags/Herausgebers 34%
  • Hat eine Anzeige gesehen 30%
  • Medien/Empfehlung durch eine Figur der Öffentlichkeit 26%
  • Wird für die Schule oder Arbeit benötigt 25%

Fazit

Unter dem Strich kommen beide Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen. Das liegt jedoch zum einen an der ausgewählten Teilnehmergruppe der Befragung und zum anderen am Hauptaugenmerk, auf dem die gestellten Fragen lagen. Deshalb bleibt wohl nur eine geschickte Kombination der beiden Ergebnisse, um daraus Schlüsse für den eigenen Gebrauch und eigene Projekte zu erzielen.

Während die (öffentlich zugänglichen!) Ergebnisse der buchreport-Studie die befragte Nutzergruppe in ihrer Gesamtheit betrachtet, kommt sie zu dem Schluss, dass persönliche Empfehlungen aus dem Familien- und Freundeskreis neben dem Stöbern (on- wie offline) und neben anderen Medien noch immer den größten Einfluss bei der Entdeckung von neuen Büchern ausmachen.

Die Penguin Random House Studie gibt hingegen gezieltere Einblicke in Altersgruppen und macht auch einen Unterschied zwischen Leserinnen und Lesern. Besonders interessant ist hierbei, dass mit steigendem Alter der Befragten eine Umverteilung der Beeinflussungsquellen erkennbar ist. Während sich jüngere Befragte Anregungen für neue Bücher eher in Netzwerken und auf Webseiten holen, verlassen sich ältere Befragte lieber auf gedruckte Besprechungen und Informationen.

Steht demnächst eine Buchveröffentlichung bevor, so können die Ergebnisse der beiden Studien in Kombination dabei helfen, die Ansprache der Zielgruppe genauer zu durchdenken und anzupassen.

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